Freitag, 30.01.2026

Stadtarchiv Wiesbaden übernimmt umfangreichen Theaternachlass von Manfred Beilharz

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Der frühere Intendant und Festivalmacher Dr. Manfred Beilharz hat seinen künstlerischen Vorlass der Landeshauptstadt Wiesbaden übereignet. Der Schenkungsvertrag wurde am Donnerstag, 22. Januar, im Kulturdezernat am Schillerplatz unterzeichnet. Kulturdezernent und Stadtkämmerer Dr. Hendrik Schmehl nahm die Übergabe im Namen der Stadt entgegen. Mehr als dreißig Kisten mit Materialien aus Beilharz‘ mehr als fünfzigjähriger Theaterkarriere sollen ins Stadtarchiv überführt werden.

Stationen einer langen Theaterkarriere

Beilharz, geboren in Böblingen, begann seine Laufbahn nach Studium und Promotion als Regieassistent an den Kammerspielen in München. Im Verlauf seines Berufslebens zog er berufsbedingt neun Mal um und leitete Theater in Tübingen, Freiburg, Kassel, Bonn und Wiesbaden. 1967 übernahm er Funktionen am Westfälischen Landestheater in Castrop-Rauxel, mit 30 Jahren trat er seine erste Intendanz in Tübingen an. Von 1976 bis 1983 leitete er die Städtischen Bühnen Freiburg, danach war er bis 1991 am Staatstheater Kassel tätig.

In Bonn war Beilharz von 1991 an zunächst Intendant des Schauspiels und ab 1997 Generalintendant des zusammengeführten Theaters der Bundesstadt Bonn. Unter seiner Leitung wurden Bonner Produktionen mehrfach zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. 2002 wechselte Beilharz an das Hessische Staatstheater Wiesbaden, wo er über ein Jahrzehnt das Haus prägte und die von ihm mitbegründete Biennale Neue Stücke aus Europa fortsetzte.

Internationales Engagement war ein wiederkehrendes Thema seiner Arbeit. Beilharz war von 2002 bis 2008 Weltpräsident des Internationalen Theaterinstituts der Unesco und ist heute dessen Ehrenpräsident. Zudem initiierte er mehrere Festivals, darunter das Theaterfestival Freiburg und Programme zur documenta 8 sowie Festivals zur Wahrnehmung zeitgenössischer Theaterentwicklung. Für sein Wirken erhielt er unter anderem das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Goethe Plakette und den Hessischen Verdienstorden.

Inhalt und Bedeutung des Vorlasses

Erste Kontakte zwischen Beilharz und dem Stadtarchiv bestehen seit 2019. Der übergebene Vorlass umfasst Programmhefte, Fotos, Spielzeitprogramme, Inszenierungszeichnungen, Briefe, Korrespondenzen und Presseauschnitte. Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg betonte, dass gerade die Mischung aus dokumentarischem Material und internationalen Bezugsstücken den Wert der Sammlung ausmache. Damit lasse sich nicht nur die Intendanz in Wiesbaden nachvollziehen, sondern auch die internationale Ausrichtung von Beilharz‘ Arbeit.

Zu den dokumentierten Aktivitäten zählen Gastspiele des Hessischen Staatstheaters in China und Auftritte in mehreren europäischen Ländern. Beilharz hatte angekündigt, dass der Bestand Materialien aus allen Stationen seines Schaffens enthalte und so eine zusammenhängende Künstlerbiografie ermögliche. Die Übergabe legt den Grundstein für die wissenschaftliche Erschließung und künftige Forschungen zur Rolle seines Wirkens im internationalen Theaterbetrieb.

Symbolische Objekte und Ausblick

Zur Unterzeichnung brachte Beilharz ein persönliches Erinnerungsstück mit: ein Schofar, ein altes israelisches Blasinstrument aus Antilopenhorn. Das Instrument war ein Geschenk der damaligen Intendantin der New Israeli Opera in Tel Aviv nach einer Zusammenarbeit bei einer Wiesbadener Produktion. Bei einer kurzen Zeremonie im Kulturdezernat stimmte Beilharz das Instrument an, was dem Anlass heitere Momente verlieh.

Die Beteiligten hoben die Bedeutung der dauerhaften Verwahrung hervor. Dr. Schmehl zeigte sich dankbar für die Schenkung an die Landeshauptstadt. Beilharz selbst zog zum Abschluss eine persönliche Bilanz seiner Arbeit als von regionalen, ästhetischen und internationalen Impulsen geprägtes Theaterverständnis. Er äußerte zugleich Besorgnis über jüngere politische Entwicklungen in Teilen Europas und im Nahen Osten und sprach von dem Wunsch nach einem neuen Beginn in der internationalen kulturellen Kooperation. Die nun übernommenen Unterlagen sollen künftig als Basis für Forschung und Erinnerung dienen.

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